Feine Runde #6: Der richtige Reifendruck beim Gravelbike – warum weniger oft mehr ist

Langsam wird es kühl, dunkel und heute auch definitiv windig. Als es dann auch noch anfängt zu nieseln, wird klar: Perfektes Gravelwetter!

Während die Schönwetter-Rennrad-Mäuse schon dabei sind, ihre High-End-Carbon-Renner einzuwintern, fängt der Gravel-Spaß jetzt erst richtig an.

Rennrad und Gravelbike sind zwar Geschwister, haben aber doch deutliche Unterschiede: Die Geometrie am Rennrad ist meist sportlicher, der Lenker am Gravelbike hat üblicherweise einen sogenannten Flare – nach außen ausgestellte Lenkerenden, die im breiteren Unterlenker mehr Kontrolle im Gelände ermöglichen.

Und natürlich gibt es noch das Offensichtliche: die Reifenbreite.

Gravelreifen sind deutlich voluminöser, häufig mit Profil für mehr Grip ausgestattet und werden vor allem mit spürbar weniger Luftdruck gefahren. Das bringt mehr Dämpfung und besseren Kontakt zum Untergrund.

Aber: Was ist eigentlich der richtige Reifendruck für mein Gravelbike?

Eine Frage, die sich erstaunlich wenige stellen – ganz egal, ob sie erst seit einer Woche im Sattel sitzen oder seit Jahren Kilometer schrubben.

Dabei bringt der passende Reifendruck oft mehr Fahrkomfort, Kontrolle und sogar Geschwindigkeit als ein sündhaft teurer Reifen oder das nächste Upgrade auf einen Carbon-Laufradsatz.

Feine Runde #6: Der richtige Reifendruck beim Gravelbike

Der Mythos: „Härter ist schneller“

Aus früheren Tagen steckt in vielen Köpfen noch der Grundsatz: Viel Druck = wenig Rollwiderstand.

Früher wurden auf 23 mm schmalen Rennradreifen gerne 8 bis 9 Bar (ca. 115 bis 130 PSI) geprügelt. Auf einer aalglatten Hallen-Radrennbahn kann hoher Reifendruck tatsächlich Vorteile haben.

Draußen in der echten Welt sieht die Sache aber anders aus. Selbst auf dem modernen Rennrad gilt mittlerweile: Weniger ist manchmal mehr. Auf realem Straßenbelag erzeugen Unebenheiten im Asphalt permanente Mikrovibrationen. Ist der Reifen bretthart, kann er diese kaum ausgleichen. Statt sich geschmeidig über kleine Unebenheiten zu bewegen, gibt er die Schläge an Fahrrad und Fahrer weiter.

Das kostet Energie und ermüdet unnötig die Muskulatur.

Ein Reifen mit etwas weniger Druck kann solche Schwingungen besser aufnehmen und auf unebenen Untergründen dadurch sogar effizienter rollen. Auf dem Schotter wird dieser Effekt noch deutlicher.

Was passiert bei zu hohem Reifendruck?

Wer breite Gravelreifen mit unnötig hohem Druck fährt – beispielsweise mit 3,8 bis 4,5 Bar (55 bis 65 PSI), obwohl Reifenbreite, Gewicht und Untergrund deutlich weniger erlauben würden –, verschenkt unter Umständen einiges an Fahrqualität.

  • Das Rad springt:
    Der Reifen schlägt an Schotterkanten an, anstatt sich darüber zu verformen. Das Fahrrad wird unruhiger und verliert beim Überrollen von Hindernissen Energie.
  • Grip geht verloren:
    Der harte Reifen kann sich dem Untergrund schlechter anpassen. Auf losem Kies rutscht man in Kurven leichter weg oder das Hinterrad dreht beim Antritt bergauf durch.
  • Der Komfort leidet:
    Wurzeln, Steine und Schlaglöcher geben ihre Schläge weitgehend ungefiltert an Handgelenke, Arme und Nacken weiter.

Sinkt der Reifendruck in einen passenden Bereich, kann sich der Reifen besser an den Untergrund anschmiegen. Er rollt geschmeidiger über Unebenheiten, bietet mehr Traktion und erhöht den Komfort deutlich.

Aber Vorsicht: Auch zu wenig Luftdruck ist keine gute Idee. Dann steigt das Risiko für Durchschläge, Reifenschäden oder ein instabiles Fahrverhalten in Kurven.

Es geht also nicht darum, möglichst wenig Luft im Reifen zu haben, sondern den richtigen Druck zu finden.

Wie viel Bar braucht ein Gravelbike? Diese vier Faktoren entscheiden

Es gibt nicht den einen perfekten Reifendruck für jedes Gravelbike. Wie viel Bar sinnvoll sind, hängt vor allem von vier Faktoren ab.

  1. Systemgewicht: Fahrer, Fahrrad und Gepäck
    Das Systemgewicht ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren. Dazu zählen nicht nur das eigene Körpergewicht, sondern auch Fahrrad, Kleidung, Trinkflaschen und gegebenenfalls Gepäck. Mehr Gewicht verlangt in der Regel etwas mehr Luftdruck, damit der Reifen ausreichend stabil bleibt und bei harten Schlägen nicht bis auf die Felge durchschlägt. Leichtere Personen können dagegen häufig mit spürbar weniger Druck fahren.

  2. Reifenbreite und Felgenbreite
    Je breiter der Reifen, desto größer ist normalerweise sein Luftvolumen – und desto niedriger kann der Druck bei vergleichbarer Belastung gewählt werden. Auch die Felge spielt eine Rolle. Entscheidend ist hier unter anderem die sogenannte Maulweite. Das ist einfach der innere Abstand zwischen den beiden Felgenkanten. Eine passende breitere Felge kann den Reifen seitlich besser abstützen. Dadurch verformt er sich in Kurven weniger stark und lässt sich innerhalb der zulässigen Grenzen oft mit geringerem Luftdruck fahren. Wichtig ist allerdings, dass Reifen und Felge für die jeweilige Kombination zugelassen sind.

  3. Schlauch oder Tubeless?
    Wer tubeless, also schlauchlos, unterwegs ist, kann häufig mit weniger Luftdruck fahren. Der Grund: Ohne Schlauch entfällt das klassische Risiko eines sogenannten Snakebites. Dabei wird ein Schlauch bei einem harten Schlag zwischen Reifen und Felge eingeklemmt und an zwei Stellen beschädigt. Mit Tubeless lassen sich deshalb oft einige Zehntel Bar weniger fahren – wie viel genau, hängt aber vom Reifen, der Felge, dem Gewicht und dem Untergrund ab. Auch TPU-Schläuche sind interessant. Sie sind leicht und können einen niedrigen Rollwiderstand ermöglichen. Allerdings bleiben sie Schläuche und sind damit nicht grundsätzlich vor Durchschlägen geschützt.

  4. Der Untergrund
    Nicht zuletzt entscheidet die Strecke darüber, welcher Reifendruck sinnvoll ist. Geht es überwiegend über glatten Asphalt, kann etwas mehr Druck sinnvoll sein. Auf grobem Schotter, nassem Waldboden oder wurzeligen Trails profitiert Ihr dagegen oft von weniger Luftdruck. Der Reifen kann sich besser an Unebenheiten anpassen, bietet mehr Traktion und macht das Rad kontrollierbarer.

Mein Tipp: Betrachtet den Reifendruck nicht als festen Wert, den Ihr einmal einstellt und dann nie wieder verändert.

Je nachdem, wo Ihr unterwegs seid, lohnt es sich, ein wenig zu experimentieren.

Reifendruck richtig einstellen: Hilfreiche Tools und zwei echte Geheimtipps

Wer seinen idealen Reifendruck finden möchte, muss nicht völlig im Trüben fischen. Mittlerweile gibt es einige praktische Werkzeuge, mit denen sich die Sache deutlich einfacher gestalten lässt.

Der Schwalbe Pressure Guide: Reifendruck online berechnen

Ein guter Ausgangspunkt ist der Schwalbe Pressure Guide. Mit dem Online-Rechner könnt Ihr den Reifendruck passend zu Eurem Einsatzbereich ermitteln. Auch für Gravelbikes gibt es einen eigenen Berechnungsmodus. Dabei werden verschiedene Faktoren berücksichtigt, um Empfehlungen für Vorder- und Hinterrad zu erhalten.

→ Zum Schwalbe Pressure Guide

Am Hinterrad fährt man häufig etwas mehr Druck als vorne, weil dort meist ein größerer Teil des Systemgewichts lastet. Wie groß der Unterschied sinnvollerweise sein sollte, hängt aber vom jeweiligen Fahrrad und der Gewichtsverteilung ab.

Die berechneten Werte sind deshalb ein guter Ausgangspunkt – und kein Ersatz für das eigene Fahrgefühl.

Gamechanger am Ventil: Das Schwalbe Clik Valve (SCV)

Wer schon einmal im Dunkeln mit kalten Fingern versucht hat, einen klassischen Presta- beziehungsweise Sclaverand-Ventilkopf aufzuschrauben, kennt das Gefriemel. Schwalbe hat mit dem Clik Valve ein System entwickelt, bei dem der passende Pumpenkopf einfach mit einem Klick auf das Ventil gesteckt wird.

Kein umständliches Festschrauben, kein Gefummel am kleinen Ventilkopf – einfach aufstecken, pumpen und wieder abziehen. Besonders praktisch: Für viele bestehende Schläuche und Tubeless-Ventile gibt es passende Umrüstlösungen. Auch zahlreiche Pumpen lassen sich mit einem entsprechenden Pumpenkopf oder Adapter nachrüsten.

Gerade bei schlechtem Wetter oder wenn es unterwegs schnell gehen soll, kann das eine echte Erleichterung sein.

Mein Werkstatt-Tipp für unterwegs: Die elektrische Minipumpe

Klassische Handpumpen sind unterwegs häufig ein Kraftakt – und ein genaues Manometer haben sie meistens auch nicht.

Mittlerweile gibt es ultrakompakte, akkubetriebene Minipumpen mit integrierter digitaler Druckanzeige. Bei entsprechend ausgestatteten Modellen lässt sich der gewünschte Druck vorab einstellen.

Pumpe anschließen, Knopf drücken – fertig.

Das macht es nicht nur einfacher, nach einer Panne wieder Luft in den Reifen zu bekommen. Auch kleine Druckkorrekturen vor einer Gravelrunde werden damit deutlich komfortabler. Und vor allem muss man nicht mehr ausschließlich mit dem Daumentest schätzen.

Mein Tipp: Probiert bei der nächsten Gravelrunde einen anderen Reifendruck aus

Experimentiert bei Eurer nächsten Ausfahrt einfach einmal ein wenig. Wenn Ihr bisher eher viel Luft im Reifen habt, versucht es auf Schotter testweise mit etwas weniger Druck – beispielsweise in kleinen Schritten von 0,2 bis 0,3 Bar. Natürlich nur, solange der Druck zu Eurem Reifen, Eurer Felge und Eurem Gewicht passt und die Herstellervorgaben eingehalten werden.

Achtet darauf, wie sich das Rad verändert:

Rollt es ruhiger über Steine? Habt Ihr in Kurven mehr Vertrauen? Werden Wurzeln und Unebenheiten weniger unangenehm? Vielleicht werdet Ihr überrascht sein, wie viel Unterschied ein paar Zehntel Bar machen können.

Denn manchmal braucht es gar kein neues Fahrradteil.

Manchmal reicht einfach ein bisschen weniger Luft.

Feine Runde in Regensburg: Gemeinsam durch den Herbst graveln

Habt Ihr Lust bekommen, dem Herbstwetter zu trotzen und die Schotterstraßen rund um Regensburg gemeinsam zu erkunden? Dann kommt vorbei!

Jeden Freitag um 16:00 Uhr startet unsere Feine Runde bei Feine Räder in Regensburg.

Wir fahren gemeinsam in gemütlichem, einsteigerfreundlichem Tempo durch das Regensburger Umland. Ein eigenes Gravelbike braucht Ihr dafür übrigens nicht. Kostenlose STEVENS-Testräder könnt Ihr vorab bei uns im Laden reservieren.

Mehr über unsere regelmäßige Ausfahrt und die bisherigen Geschichten erfahrt Ihr auf unserer Seite zur → Feinen Runde in Regensburg.

Bis nächsten Freitag – feine Grüße und macht Euch nicht zu viel Druck im Leben!

Gravelbike-Reifen auf unebenem Steinboden – Reifenaufstandsfläche und Reifendruck

Stevens

E-Molveno Gent/Lady/Forma

E-Trekking, Alltag & City

Preis: 2.299,00 €

Outletpreis: 1.749,00 €

Öffnungszeiten:

Di – Fr 10:00 – 13:00 + 14:00 – 18:00 Uhr

Sa 10:00 – 16:00 Uhr

Adresse:

Lappersdorfer Straße 2

93059 Regensburg

Öffnungszeiten:

Di – Fr 10:00 – 13:00 + 14:00 – 18:00 Uhr

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Lappersdorfer Straße 2

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