Radlretter am Dachauplatz: Wenn abgestellte Räder wertvolle Fahrradstellplätze blockieren

Ein Fahrradabstellplatz ist eigentlich dafür da, dass jemand mit dem Rad in die Stadt kommt, es sicher abstellt – und später wieder weiterfährt.

Doch was passiert, wenn Fahrräder dort über Wochen oder Monate stehen bleiben, offensichtlich nicht mehr genutzt werden und wertvolle Stellplätze dauerhaft blockieren?

Hier setzen die Radlretter Regensburg an.

Bei einem aktuellen Einsatz am Dachauplatz hat Feine-Räder-Geschäftsführer Ulrich Schmack die dort abgestellten Fahrräder kontrolliert und diejenigen markiert, bei denen Anzeichen dafür sprechen, dass sie keinem aktiven Mobilitätszweck mehr dienen.

Das Ergebnis war selbst für uns bemerkenswert:

An dieser Abstellanlage musste mehr als die Hälfte der vorhandenen Fahrräder markiert werden.

Und auch bei den Radlrettern selbst hat sich inzwischen einiges weiterentwickelt: Mit einer eigens dafür entwickelten App lässt sich der gesamte Vorgang heute digital und nachvollziehbar dokumentieren.

Radlretter Regensburg: Mehr Platz für Fahrräder am Dachauplatz

Der Dachauplatz zeigt, warum Radlretter gebraucht werden

Gerade an zentralen Orten in Regensburg sind Fahrradabstellplätze wertvoll.

Menschen fahren mit dem Rad zur Arbeit, zum Einkaufen, zu Terminen oder in die Innenstadt und brauchen dort Möglichkeiten, ihr Fahrrad vernünftig abzustellen.

Auch die Stadt Regensburg weist darauf hin, dass gute und sichere Fahrradabstellanlagen ein wichtiger Bestandteil der Radverkehrsförderung sind. Je besser die Abstellmöglichkeiten, desto attraktiver wird die Fahrradnutzung im Alltag. Doch zusätzliche Fahrradbügel allein lösen das Problem nicht.

Wenn vorhandene Plätze dauerhaft von Fahrrädern belegt werden, die erkennbar seit langer Zeit nicht mehr bewegt werden, steht diese Infrastruktur aktiven Radfahrerinnen und Radfahrern nicht mehr zur Verfügung. Mehr dazu auch hier:  → Warum freie Fahrradabstellanlagen wichtig sind

Am Dachauplatz wurde das besonders deutlich.

Wann wird aus einem abgestellten Fahrrad ein Fall für die Radlretter?

Nicht jedes ältere oder ungepflegte Fahrrad ist automatisch aufgegeben.

Deshalb geht es bei den Radlrettern nicht darum, vorschnell Fahrräder aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Zunächst wird hingeschaut und dokumentiert. Typische Hinweise können beispielsweise ein über längere Zeit unveränderter Standort, offensichtliche Defekte, fehlende oder dauerhaft platte Reifen, starke Verwitterung oder andere Anzeichen dafür sein, dass ein Fahrrad schon lange nicht mehr genutzt wird. Umgangssprachlich ist dann häufig von „Fahrradleichen“ oder „Schrotträdern“ die Rede.

Das Radlretter-Projekt verfolgt allerdings einen differenzierteren Ansatz:

Was ist tatsächlich aufgegeben? Was blockiert dauerhaft einen Abstellplatz? Und was kann möglicherweise sogar erhalten oder wieder sinnvoll genutzt werden?

Genau diese Fragen gehören seit Beginn zum Konzept der Radlretter. Feine Räder hat das Projekt gemeinsam mit der Stadt Regensburg entwickelt und bereits 2025 in einer Testphase umgesetzt.

Neu: Die Radlretter dokumentieren jetzt per eigener App

Was bislang mit entsprechendem organisatorischem Aufwand verbunden war, wird inzwischen digital unterstützt.

Feine Räder hat für die Radlretter eine eigene App entwickelt, mit der sich die einzelnen Schritte des Prozesses nachvollziehbar erfassen lassen.

Damit können die bei einer Kontrolle auffälligen Fahrräder systematisch dokumentiert werden. Für jedes markierte Rad entsteht so eine nachvollziehbare digitale Dokumentation des Vorgangs. Besonders bei mehreren Fahrrädern und wiederkehrenden Kontrollen ist das ein entscheidender Vorteil:

Aus einer einzelnen Markierung wird ein dokumentierter Prozess.

Das erleichtert die weitere Bearbeitung und schafft zugleich Transparenz darüber, welches Fahrrad wann und an welchem Standort erfasst wurde.

Mehr als die Hälfte der Fahrräder am Dachauplatz markiert

Wie relevant das Thema ist, zeigte der aktuelle Einsatz besonders eindrucksvoll. An der kontrollierten Abstellanlage am Dachauplatz wurde mehr als die Hälfte der dort vorhandenen Fahrräder markiert. Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass jedes dieser Fahrräder anschließend entfernt wird.

Aber es zeigt, wie viel Kapazität an einer zentralen Fahrradabstellanlage potenziell durch Räder gebunden wird, die offenbar nicht mehr regelmäßig genutzt werden. Deshalb gehört für uns zu einer guten Fahrradinfrastruktur mehr als Radwege und neue Fahrradständer.

Vorhandene Infrastruktur muss auch nutzbar bleiben.

Mehr Fahrradstellplätze – ohne einen einzigen neuen Bügel zu bauen

Das ist vielleicht die spannendste Seite der Radlretter-Idee. Neue Fahrradinfrastruktur braucht Platz, Planung und Investitionen. Manchmal lässt sich die Situation aber bereits verbessern, indem vorhandene Infrastruktur wieder ihrem eigentlichen Zweck zur Verfügung steht.

Ein dauerhaft blockierter Fahrradständer kann nicht von Pendlern, Besucherinnen oder Menschen genutzt werden, die gerade mit dem Fahrrad in die Innenstadt gekommen sind. Wird dieser Platz wieder frei, entsteht faktisch neuer nutzbarer Abstellraum – ohne dafür einen zusätzlichen Fahrradbügel aufstellen zu müssen. – Darum geht es bei den Radlrettern.

Und was passiert mit den Fahrrädern?

Auch hier ist uns ein Punkt wichtig: Radlretter bedeutet nicht automatisch Fahrradentsorgung.

Als Fahrradfachgeschäft wissen wir, dass ein Fahrrad, das auf den ersten Blick alt oder vernachlässigt aussieht, durchaus noch einen Wert haben kann.

Manche Räder sind tatsächlich nicht mehr sinnvoll zu erhalten. Andere benötigen vielleicht nur Pflege, eine Reparatur oder einen neuen Menschen, der sie wieder nutzt. Deshalb gehört zum Radlretter-Gedanken auch die Frage, ob ein Fahrrad – soweit dies rechtlich und organisatorisch möglich ist – wieder in den Nutzungskreislauf zurückgebracht werden kann.

Das passt zu weiteren Feine-Räder-Projekten wie → Fahrradflohmarkt und → Gebrauchtrad: Ein vorhandenes Fahrrad möglichst lange weiterzunutzen ist häufig die nachhaltigste Lösung. Diesen Kreislaufgedanken verbindet Feine Räder bereits ausdrücklich mit dem Radlretter-Projekt.

Vor Ort am Dachauplatz: Ulrich Schmack erklärt die Aktion

Im Video zeigt Feine-Räder-Geschäftsführer Ulrich Schmack direkt vor Ort, warum Fahrräder an dieser Abstellanlage markiert wurden und wie die Radlretter dabei vorgehen. Hier am Dachauplatz wird sichtbar, worum es bei dem Projekt geht:

Nicht möglichst viele Fahrräder zu entfernen, sondern dafür zu sorgen, dass Fahrradabstellplätze wieder von Fahrrädern genutzt werden können, die tatsächlich unterwegs sind.

Radlretter Regensburg: vorhandenen Platz besser nutzen

Der aktuelle Einsatz am Dachauplatz ist damit ein kleines Beispiel für eine größere Frage: Wie können wir Radfahren in einer Stadt einfacher machen?

Neue Radwege gehören dazu. Gute Abstellanlagen gehören dazu. Sichere Kreuzungen und durchdachte Verkehrsführung ebenfalls. Aber auch der Umgang mit dem vorhandenen Raum spielt eine Rolle. Die Stadt Regensburg beschäftigt sich in ihrer Verkehrsplanung sowohl mit dem Radverkehr als auch mit dem „ruhenden Verkehr“, also unter anderem abgestellten Fahrrädern.

Die Radlretter setzen genau an dieser Schnittstelle an.

Vorhandene Fahrradstellplätze sollen dort, wo sie dauerhaft blockiert sind, wieder für aktive Mobilität verfügbar werden. Die neue digitale Dokumentation macht diesen Prozess nun noch strukturierter und nachvollziehbarer. – Und der Dachauplatz zeigt:

Es gibt einiges zu retten – Fahrräder genauso wie Fahrradstellplätze.

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