Feine Runde #3: Wenn Nacken, Hände oder Knie auf dem Gravelbike zwicken

Freitag, 16 Uhr, Gravelbikes vor der Tür und raus aus Regensburg: Bei unserer Feinen Runde geht es vor allem darum, gemeinsam eine gute Zeit auf dem Rad zu haben.

Aber gerade beim gemeinsamen Fahren passiert noch etwas anderes.

Man redet.

Über die Strecke, über Räder, über die letzten Touren – und irgendwann ziemlich zuverlässig auch über die kleinen Dinge, die nach einigen Kilometern anfangen zu nerven:

Der Nacken wird fest. Die Hände schlafen ein. Das Knie meldet sich. Oder der Sattel fühlt sich spätestens nach einer längeren Runde plötzlich ganz anders an als auf den ersten fünf Kilometern.

Und damit waren wir bei unserer letzten Feinen Runde ziemlich schnell bei einem Thema, das für Gravelbikes besonders interessant ist:

Wie gut passen eigentlich Fahrrad und Fahrer zusammen?

Gravelbike Ergonomie: Feine Runde #3 | Feine Räder Regensburg

Auf kurzen Strecken fällt vieles noch gar nicht auf

Eine Sitzposition kann sich auf den ersten Kilometern völlig in Ordnung anfühlen.

Erst wenn man länger unterwegs ist, immer wieder über Schotter fährt und über längere Zeit dieselbe Haltung einnimmt, werden kleine Unterschiede bemerkbar.

Vielleicht lastet etwas zu viel Gewicht auf den Händen. Vielleicht muss der Kopf dauerhaft stärker angehoben werden, um nach vorne zu schauen. Oder Knie und Hüfte arbeiten nicht ganz in der Position, die zum eigenen Körper passt.

Das bedeutet nicht automatisch, dass am Fahrrad etwas grundsätzlich falsch eingestellt ist.

Aber es lohnt sich, solche Signale ernst zu nehmen.

Denn manchmal können bereits kleine Veränderungen an Sattel, Lenker, Vorbau oder Brems-Schalthebeln einen erstaunlichen Unterschied machen.

Hände und Handgelenke: Wenn irgendwann die Finger kribbeln

Gerade auf dem Gravelbike verteilt sich ein Teil des Körpergewichts über Arme und Hände auf den Lenker.

Kribbeln die Finger, schlafen Hände ein oder werden die Handgelenke unangenehm belastet, können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen.

Zum Beispiel:

  • zu viel Druck auf den Händen,
  • eine ungünstige Position der Brems-Schalthebel – der sogenannten Hoods,
  • stark abgeknickte Handgelenke,
  • eine für den Fahrer ungünstige Lenkerposition,
  • oder schlicht zu wenig Wechsel zwischen den unterschiedlichen Griffpositionen des Rennlenkers.

 
Auch Lenkerband und dessen Dämpfung können den Komfort beeinflussen.

Die Lösung besteht deshalb nicht automatisch darin, einfach ein dickeres Lenkerband zu montieren. Interessanter ist die Frage:

Warum entsteht an dieser Stelle überhaupt so viel Druck?

Nacken und Schultern: Ist das Fahrrad vielleicht etwas zu lang?

Ein verspannter Schultergürtel oder ein Nacken, der sich nach einer Tour bemerkbar macht, gehört zu den häufigen Themen bei sportlicheren Sitzpositionen.

Eine mögliche Ursache kann eine zu gestreckte Haltung sein.

Ist die Reichweite zum Lenker – der sogenannte Reach – für den eigenen Körper zu groß oder sitzt der Lenker sehr tief, muss der Oberkörper entsprechend weit nach vorne.

Dabei kann auch der Nacken stärker gefordert werden, weil der Blick natürlich trotzdem auf die Strecke gerichtet bleiben muss.

Je nach Fahrrad und Fahrer können beispielsweise

Vorbaulänge, Lenkerhöhe, Spacer, Lenkerposition oder die gesamte Geometrie

Einfluss darauf haben, wie entspannt sich diese Haltung anfühlt.

Auch während einer Tour hilft es, die Griffposition zu wechseln und sich zwischendurch bewusst etwas aufzurichten.

Wenn Beschwerden allerdings regelmäßig auftreten, lohnt es sich, nicht nur an einzelnen Komponenten herumzuprobieren, sondern die gesamte Sitzposition anzuschauen.

Kniebeschwerden: Oft lohnt der Blick auf die Sattelposition

Auch das Knie reagiert empfindlich darauf, wie Fahrer und Fahrrad zusammenspielen.

Sattelhöhe, horizontale Sattelposition, Fußstellung auf dem Pedal und – bei Klickpedalen – die Position der Cleats beeinflussen die Bewegung des Beins.

Als grobe Orientierung können Beschwerden an unterschiedlichen Stellen Hinweise liefern. Schmerzen im vorderen Kniebereich können beispielsweise mit einer zu niedrigen oder ungünstig weit vorne liegenden Sitzposition zusammenhängen. Beschwerden an der Kniekehle können unter anderem bei einer zu hohen Sattelposition auftreten.

Aber wichtig ist:

Das sind mögliche Zusammenhänge, keine Ferndiagnose.

Knieschmerzen können zahlreiche Ursachen haben. Treten Beschwerden wiederholt oder stärker auf, sollte deshalb nicht einfach nur auf Verdacht der Sattel verstellt werden.

Genau hier zeigt sich, warum eine systematische Betrachtung besser ist als das berühmte „Noch mal zwei Millimeter hoch und schauen, was passiert“.

Sitzbeschwerden: Weicher ist nicht automatisch besser

Nach einer längeren Gravelrunde wird natürlich auch über Sättel gesprochen.

Und dabei hält sich ein Gedanke ziemlich hartnäckig:

Wenn der Sattel unbequem ist, braucht man einen weicheren.

So einfach ist es leider nicht.

Ein stark gepolsterter Sattel kann sich beim ersten Draufsitzen angenehm anfühlen, auf längeren Strecken aber an den falschen Stellen zusätzlichen Druck erzeugen.

Wesentlich interessanter sind deshalb unter anderem:

Abstand der Sitzknochen,
Sattelbreite und Sattelform,
Neigung und Position des Sattels,
Sitzhaltung,
und der tatsächliche Einsatzzweck des Fahrrads.

Ein sportliches Gravelbike stellt dabei andere Anforderungen als ein aufrecht gefahrenes Cityrad.

Der passende Sattel ist deshalb nicht unbedingt der weichste – sondern derjenige, der zu Mensch, Fahrrad und Sitzposition passt.

Warum ein paar Millimeter manchmal erstaunlich viel verändern

Genau das ist eine der Erfahrungen, die wir aus unseren Ausfahrten immer wieder mitnehmen:

Auf dem Fahrrad hängen viele Dinge zusammen.

Verändert man die Sattelhöhe, verändert sich nicht nur der Abstand zum Pedal. Auch die Position zum Lenker und damit die Belastung von Rücken, Schultern und Händen kann sich verändern.

Ähnliches gilt für Vorbaulänge, Lenkerhöhe oder Cleat-Position.

Deshalb ist Ergonomie mehr als das Einstellen einzelner Maße nach einer Tabelle.

Bei Feine Räder gehört bereits zur Fahrradberatung eine Bedarfs- und Körperanalyse mit Vermessung und anschließender Probefahrt.

Bei einer vertiefenden Ergonomiebetrachtung geht es dann darum, das vorhandene Fahrrad und den Menschen darauf gemeinsam anzuschauen:

Wie sitzt du? Wie bewegst du dich? Wo entstehen Beschwerden? Was möchtest du mit dem Fahrrad eigentlich fahren?

Denn eine Position für eine schnelle 40-Kilometer-Runde muss nicht automatisch dieselbe sein, mit der jemand entspannt einen ganzen Tag auf dem Gravelbike verbringen möchte.

Wenn Fahrradwissen und Physiotherapie zusammenkommen

Genau deshalb ist für uns auch die Zusammenarbeit mit Niclas Heumann vom → Health Campus Regensburg so wertvoll.

Niclas betrachtet das Thema aus Sicht des Körpers: Beweglichkeit, Belastbarkeit und körperliche Voraussetzungen.

Wir bei Feine Räder betrachten die andere Seite: Fahrradgeometrie, Sitzposition, Komponenten und Einstellung.

Beim jüngsten MEHRRAD!-Abend „Radfahren & Gesundheit“ haben wir beide Perspektiven bereits zusammengebracht. Dabei wurde besonders deutlich, dass nicht jede Beschwerde allein durch eine Veränderung am Fahrrad gelöst werden kann – genauso wenig wie jede ungünstige Sitzposition durch Training kompensiert werden sollte.

→ Mehr dazu: Radfahren & Gesundheit – unser MEHRRAD!-Abend mit Health Campus

Und diesen Gedanken nehmen wir auch mit in unsere Ergonomieberatung: Nicht nach Schema F einstellen, sondern Mensch und Fahrrad gemeinsam betrachten.

Die beste Einstellung merkt man häufig daran, dass man sie nicht merkt

Ein gut eingestelltes Fahrrad muss sich nicht spektakulär anfühlen.

Im Gegenteil.

Im besten Fall denkt man während der Ausfahrt gar nicht darüber nach.

Die Hände bleiben entspannt. Der Nacken verlangt nicht nach jedem zweiten Kilometer nach einer neuen Position. Knie und Hüfte bewegen sich unauffällig – und der Sattel wird nicht zum beherrschenden Gesprächsthema des Tages.

Dann kann man sich wieder mit den wirklich wichtigen Dingen beschäftigen:

dem nächsten Schotterweg, der Aussicht – und der Frage, wo wir diesmal unseren Kaffee bekommen.

Lust, selbst eine Feine Runde mitzufahren?

Unsere Feine Runde startet jeden Freitag um 16:00 Uhr bei Feine Räder in Regensburg.

Wir fahren ungefähr 25 Kilometer in gemütlichem, einsteigerfreundlichem Tempo. Es geht nicht um Bestzeiten – wir fahren gemeinsam los und kommen gemeinsam an. Die reguläre Runde endet gemütlich am Caféboot in Mariaort.

Und wenn du Graveln einfach einmal ausprobieren möchtest, aber noch kein eigenes Gravelbike hast:

Kein Problem.

Für die Feine Runde stehen kostenlose STEVENS-Testräder zur Verfügung. Reserviere dir am besten vorher die passende Größe – vor der Abfahrt stellen wir das Rad kurz auf dich ein.

→ Alles zur Feinen Runde und unseren gemeinsamen Gravel-Ausfahrten rund um Regensburg

Bis Freitag – feine Grüße!

Stevens

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Öffnungszeiten:

Di – Fr 10:00 – 13:00 + 14:00 – 18:00 Uhr

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Adresse:

Lappersdorfer Straße 2

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